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| Geschichte der Turnerschaft |
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Geturnt wurde dann auf der Städt. Hofwiese (jetziger Schützenplatz). Als "Winterturnlokal" diente das Sommerhaus im Cammerersgarten (gegenüber der evangelischen Kirche).
Da das "Winterturnlokal" im Cammerersgarten (steht heute noch) nur ein Notbehelf war, wurde das heutige Gerätehaus der Feuerwehr eingerichtet und von 1863 bis 1880 als Turnhalle benutzt. Im Jahre 1880 wurde sie dann in ein für die Feuerwehr notwendig gewordenes Gerätehaus umgebaut, so daß in das Erdgeschoß des alten Kronacher Rathauses umgezogen werden mußte.
Im Oktober 1888 wurde als neue Abteilung eine freiwillige Sanitätskolonne gegründet. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten wurde sie dann im Januar 1891 ein eigenständiger Verein. Um den "neuesten Zeitbedürfnissen" Rechnung zu tragen, wurde im Jahre 1900 ein Fußball angeschafft. Dies fand erheblichen Anklang im Verein, so daß im Jahre 1909 eine eigene Spielriege beschlossen und im April 1910 die Koch'sche Wiese als Spielplatz gepachtet wurde. Am 11.4.1912 trat der Fußballclub (FC Kronach 08) dem Verein bei. Im Jahre 1922 mußte er sich dann jedoch wieder selbständig machen, da es dem Verein nicht mehr möglich war, die Pacht für die Spielwiese in Höhe von 150.000,00 RM (ca. 600000€) zu bezahlen.
Zu einer weiteren "Modernisierung kam es 1906, also 45 Jahre nach der Vereinsgründung, als eine Dame beantragte, in der Halle turnen zu dürfen. Dies führte zu dem Beschluss, eine Damenriege zu bilden und die teilnehmenden Damen als "außerordentliche Mitglieder" aufzunehmen. Die Kriege in den Jahren 1866, 1870/71 und 1914/18 hatten dem Verein immer wieder Rückschläge versetzt. Am Ende des 2. Weltkrieges war jedoch der Tiefstpunkt erreicht. Die Turnhalle und die Nebengebäude waren von der Besatzungsmacht beschlagnahmt; Flüchtlinge und Obdachlose belagerten die Halle. Sämtliche brennbaren Materialien, wie Türen, Fensterrahmen usw., wurden z.T. an offenen Feuern in der Halle verbrannt. Das gesamte Mobiliar, die Turngeräte, die Karteien, alles war vernichtet - was blieb, war ein Trümmerhaufen. Die Kronacher ließen sich davon jedoch nicht entmutigen und brachten trotz aller politischen und finanziellen Probleme den Verein wieder auf den Weg des Erfolges, ohne dabei die sozialen Belange zu vergessen. Der kleine Saal wurde 50 Kriegsversehrten als Arbeitsraum zur Verfügung gestellt; die Diele wurde für Kinderspeisungen benutzt. Den Reinerlös eines am 16.11.47 durchgeführten Balles konnte man der Stadt Kronach als Spende übergeben. Das ehemalige Frühlingsfest wurde eingeführt.
Im sportlichen Bereich erfolgte ein steiler Aufschwung. Verschiedene Abteilungen konnten neu gegründet oder wiedererweckt werden. Nicht nur durch gesellschaftliche, sondern hauptsächlich durch sportliche Aktivitäten wurden weitere Mitglieder gewonnen. Dadurch wurde der Verein zum mitgliederstärksten des Landkreises Kronach. Bei solch großem Angebot an verschiedenen Sportarten blieben selbstverständlich auch besonders hervorzuhebende Erfolge nicht aus.
Auch in den Einzelsportarten sind einige Namen zu nennen, z.B.: (Deutscher Meister im Dreisprung) Dieter Eber (vertreten in der deutschen Bestenliste im 5000 m Bahnengehen) Helga Müller
(Deutsche Vizemeisterin im Friesenkampf =75 m Lauf, Schleuderball, Eva-Maria Parzer (mehrmalige bayerische und deutsche Meisterin im Schwimmen) Martin Pietz
(Deutscher Meister in seiner Altersklasse bei den Walter Lemke Deutscher AK-Vizemeister im Rückenschwimmen
Sie sehen, liebe Leser und Leserinnen, die Turnerschaft ist ein Teil der Stadt Kronach und ihrer Geschichte, zumindest während der letzten 125 Jahre. Sie ist jedoch jung geblieben und versucht, allen etwas zu bieten, sei es im Spitzensport oder auf geselliger Ebene. Das Hauptaugenmerk wird jedoch auf den Breitensport gelegt. Denn gerade der Breitensport bietet Kameradschaft in einer Gruppe von Gleichgesinnten; er kann in der heutigen Zeit eine Oase des friedlichen, geselligen Miteinanders sein, losgelöst vom Stress, der Hektik und dem Konkurrenzkampf, dem wir uns heute in unserer vorhandenen Gesellschaftsstruktur alle ausgesetzt sehen. Diese Chronik wurde zur 125-Jahrfeier im Jahre 1986 von Karlheinz Babinsky verfasst und soll anlässlich der 150-Jahrfeier im Jahre 2011 fortgeführt werden. Eine kleine, aber wichtige Ergänzung aus dem Jahr 1990: Das alte und ewig neue Problem der Turnhalle, vorübergehend durch den Mut der damaligen Vorstandschaft im Jahre 1928 gelöst, trat im Laufe der Zeit wieder in den Vordergrund. Am 20.3.1981 wurde die Vorstandschaft beauftragt, eine zeitgemäße Lösung für dieses Problem zu finden. Nach Überdenken und Verwerfen verschiedener Möglichkeiten kam man überein, doch einen Neubau in Angriff zu nehmen. Im Dezember 1989 stand das neue Gebäude und fügt sich seither harmonisch in die Umgebung ein. Für die "allseitige Ausbildung des Körpers" wurden eine Turnhalle in der Größe 15 x 27 Meter, eine Tischtennishalle 14 x 15 Meter, und für die "geistig-sittlichen Bedürfnisse" eine Gastwirtschaft mit Nebenzimmer gebaut. Eine Überschreitung des vorgegebenen Kostenrahmens erfolgte nicht, so dass heute mit Stolz auf ein fast schuldenfreies, eigenes Areal geblickt werden kann. Für den Sport und die "anschließenden Besprechungen" sind daher nunmehr die besten Voraussetzungen gegeben. |